Sprachlicher Irrsinn und Undeutsch

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Nicht Lustig - Analphabeten © www.nichtlustig.de
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Der alltägliche sprachliche Wahnsinn

Die deutsche Sprache ist bekanntlich keine einfache Sprache. So mancher Ausländer, Immigrant oder anderer Lernwilliger kann dies bestätigen. Die meisten Fremdsprachler werden sich an der deutschen Sprache, in welcher es – was dieser lange Satz zu beweisen versucht – waghalsige und mörderisch lange Satzkonstruktionen und Wortgebilde gibt, welche an Schopenhauer, Nietzsche und Konsorten erinnern, aber voll und ganz den Sprach- und Rechtschreibregeln nach Duden entsprechen, die Zähne ausbeissen und verzweifelt das Lehrbuch aus dem Fenster werfen. Doch auch Muttersprachler werden mit diesem Satz Mühe haben. Verständlich, ist es doch ein unsägliches Gebilde. Viel mehr zeigt sich im Alltag, dass die Muttersprachler dem einfachsten Deutsch nicht (mehr) mächtig sind. Beispiele gibt es in Mengen; ich werde sie zukünftig in einer kleinen Serie sammeln.

Deutschbuch nur teuer fünf Geld

Wenn also schon jene, welche der deutschen Sprache mächtig sein sollten, scheitern, dann überraschen Mails wie das folgende nicht. Denn auch Google ist definitiv nicht ein guter Übersetzer. Das Tragische daran ist aber nicht einmal die Sprache, sondern viel mehr die irrsinnige und naive Glaube, dass solch betrügerische Mails die beabsichtigte Wirkung erzielen können.

Finder iPhone-Vorrichtung deaktiviert xxx@xxx.ch iPhone
Finden Das iPhone wird in der Vorrichtung xxx@xxx.ch iPhone deaktiviert. Mit von der Suche iPhone, kann dieses Gerät nicht mehr operativen Verlust zurückzuführen oder abgewischt werden remote über icloud.com / find oder Anwendung finden iOS iPhone. Zusätzlich Ihre Apple ID und Passwort wird nicht mehr zum Abschrecken, Reaktivierung und Nutzung des iPhone erforderlich.
Undeutsches Mail © www.deindiehl.ch
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Klingt durchaus plausibel!

Die alltägliche Verundeutschung

Viel schlimmer wiegt aber die Verschandelung des Deutschen durch die Muttersprachler. An einer dynamischen Sprache, wie es etwa das Englische ist, gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen. Die Erweiterung und Anpassung des Wortschatzes an die aktuellen Gegebenheiten, Zeit und Gesellschaft ist gut.

Allerdings verkommt diese mehr und mehr zu einer Ausdeutschung. Wenn ich einen stylischen Post like, den ein anderer gesharet hat, dann bin ich cool. Mein Comment ist really tight und fancy, trotzdem kriege cih mit dem freakigen Nerd von Autor mächtig beef. Wie bitte? Im Job dispatche ich eben heute auch Cases in eine andere Queue, welche ein SLA (Service Level Agreement) von drei Tagen hat. Dannach müssen diese gesolvet oder returned sein, weil der Customer nicht auf seine Products verzichten kann. Ach!

Schlimmer geht immer, auch ohne Fremdsprachen. Die Internetsprache mit #hashtags und Abkürzungen wie lol, tgif oder milf mag in der digitalen Welt noch eine gewisse Legitimität haben. Wenn diese aber ins Gesprochene überschwappt, verliert das Gesagte oft nicht nur gänzlich seinen Reiz, sondern auch seinen Sinn.

Wir tun uns das aber auch selber an, respektive irgendwelche schlauen Köpfe mit einer Interaktionsphobie. Das folgende Telefongespräch erklärt irgendwie auch, weshalb wir Menschen uns immer weniger verstehen, beziehungsweise warum es immer schwieriger wird etwas zu verstehen.

Guten Tag! Sie sind mit einem Sprachspeichersystem verbunden. Diese Telefonnummer ist im Sprachspeichersystem aber nicht aktiviert. Sie können nicht weiter arbeiten! Auf Wiedersehen.Sprachspeichersystem

Sprachspeichersystem? Also ein SSS? Bitte? Das hiess doch seit jeher Anrufbeantworter. Warum also jetzt nicht mehr? Klar, heute nennt sich dass ja auch Neudeutsch die Voice-Box (Sprachkasten, Sprachschachtel sic!). Un in der Schweiz spricht heute alles und immer von der Combox. Irrsinn, da sich das Wort zum einen der Sprache speichernden Schachtel und zum anderen von Swisscom ableitet. So haben Sunrise und Orange sicherlich keine Comboxen.

Zurück zum „Telefongespräch“: Nicht nur das kakophonische Wortgebilde gibt zu denken. Die Ansage an sich; warum bin ich mit einem SSS verbunden, wenn es für die angerufene Nummer kein SSS gibt? Und warum bitte sollte ich deswegen nicht arbeiten können? Wenn ich mich recht entsinne, beabsichtige ich bei einem Telefonat zu sprechen – nicht zu arbeiten. Und schon gar nicht, jemanden wiederzusehen.

Fazit 1: Liebe Menschen, die Sprache ist gut. Fertig. Sie muss nicht zwanghaft besser gemacht werden.

Fazit 2: Man sollte sich darüber definitiv nicht zu viele Gedanken machen, wie dieser Artikel eindrücklich beweist.

Anmerkung: Die Platzierung von Wortkreationen wie Undeutsch, Aus- und Verundeutschung in diesem Text ist aus stilistischen Gründen gewollt.
Elia Diehl

Elia Diehl

Journalist at AZ Medien
Journalist bei einer regionalen Zeitung, studierter Sportwissenschaftler und Sportlehrer, emotionaler und kritischer Vieldenker, im Herzen stets nur Musiker gewesen, in der Küche immer auf der kreativen Suche nach dem kulinarischen Orgasmus, Möchtegernmaler, rastlos auf der Flucht vor sich selbst mit Drang, einfach fortzugehen.
Elia Diehl

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